Eine Fluglehrer-Ära geht zu Ende 

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Theo Bösing geht in den Ruhestand 

Sonntag, 29. Juli 2018 – 08:00 Uhr 

Text und Fotos von Christa Niermann Borkener Zeitung

Nach 50 Jahren als Fluglehrer hat der 80-jährige Theo Bösing am Donnerstag sein Ausbilderengagement beim Luftsportverein Borken beendet. Er sei ein wahrer „Glücksfall“ für den Verein gewesen, heißt es. 

Fluglehrer Theo Bösing (9. von rechts) nahm Abschied nach 50 Jahren als Fluglehrer. Mitglieder und ehemaligen Flugschüler dankten ihm mit einem Überraschungsfest und Überraschungsgästen. 

HOXFELD (chn). Das Fliegen liegt ihm im Blut: Vor gut 60 Jahren ging der heute 80-jährige Rheder Theo Bösing zum ersten Mal in die Luft. Nach 50 Jahren als ehrenamtlicher Fluglehrer beendete er am Donnerstag sein Ausbilderengagement beim Luftsportverein Borken. Heinz Hansen, einer der ersten Flugschüler, war extra aus Bremen angereist. Hier arbeitet dieser federführend in der Forschungsabteilung bei Airbus. 

Nicht nur reines Hobby 

Gegen 17 Uhr landeten beide auf dem Flugplatz Hoxfeld und beendeten damit die aktive Fliegerausbilderzeit von Theo Bösing. Ein wenig mulmig war es Bösing schon. Doch schon bald nahm die ihm eigene positive Grundeinstellung überhand und er freute sich über die Überraschungen, die seine Fliegerkameraden vorbereitet hatten. Unter der Gästeschar war der Rheder Berni Honsel, 94 Jahre. Er war der erste Flugschüler von Bösing. Ebenso Justin Große, 15 Jahre, der unter Bösings Regie das Fliegen lernte und grad in diesen Tagen seinen ersten Alleinflug absolvieren durfte. 

Diese Flieger sind drei von gut 620 Flugschülern, blickte Bösing zurück. An diesem Erfolg seien viele beteiligt gewesen, wehrte er die Gratulationen ab: „Wir haben hier eine enge Gemeinschaft.“ Nicht ohne Stolz erzählte er von weiteren Vereinsmitgliedern, die beruflich ihre Basis hier in Hoxfeld legten. So sei heute einer der Mitglieder Kapitän bei der Lufthansa. Verein und Vorstand hätten immer hinter ihm gestanden. Lange Zeit ging die Vereinsarbeit über ein reines Hobby hinaus. Einige Jahre führte er gemeinsam mit dem Ende des vergangenen Jahres verstorbenen Vorsitzenden Klaus Stewering als 2. Vorsitzender den Verein und legte den Grundstein zur heutigen Vereinsbedeutung. 

Technik und Naturkräfte 

Die Erinnerungen der Flieger-Erlebnisse sind vielfältig. Mit dem Fliegerkameraden Stewering war er erstmals 1967 in Südfrankreich, woraus ein jährliches Fliegertreffen entstand. „Bis heute gibt es das Fliegercamp – mit Kind und Kegel“, betonte Bösing. In Frankreich, Gap-Tallard, erzielte er einen besonderen Meilenstein seiner Fliegerzeit: Mit einem Motorsegler erreichte er die absolute Höhe von 7730 Metern und nach Abstellen des Motors von 5650 Metern. Damit erzielte er 1971 einen Weltrekord. „Damals war das eine Sensation für unseren Verein“, beschreibt Karl-Heinz Freing das Ereignis. Die Flugzeuge waren noch aus Holz und die technische Entwicklung bis heute sei immens vorangeschritten. 

„Mit heute ist das nicht vergleichbar. Flieger müssen viel über Technik wissen. Doch wir sind abhängig von den Naturkräften.“, erklärte Bösing. Diese müssten intelligent genutzt werden, beschreibt er die Anforderungen an das Segelfliegen. 

Sicherheit wird groß geschrieben 

„Es gibt viele mutige Piloten und viele alte Piloten. Aber es gibt nur wenige alte mutige Piloten“, hat Neil Amstrong, der Kommandant von Apollo 11, einmal gesagt. Nach dieser Devise habe Theo Bösing seinen Flugschülern vermittelt, dass ihre Sicherheit über allem stehe. 

Der Luftsportverein Borken ehrte und verabschiedete den 80-jährigen Theo Bösing als „wahren Glücksfall“ von Fluglehrer in den Ruhestand. Doch seine Leidenschaft, die Fliegerei, wird ihn nicht loslassen und er wird die grenzenlose Freiheit hoch oben im Flieger weiterhin genießen.